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Rewe-Trainer: Hinweise zu den Aufgaben zum Nachlesen

9.2 Privatbuchungen: Geschäftsfall als Text

Die Aufgaben

Im Rahmen dieser Übungsaufgabe sollen Privateinlagen und –entnahmen mittels so genannter Privatbuchungen geübt werden. Es werden zwei oder drei Konten angesprochen.

Eine Aufgabe sieht zum Beispiel so aus:

Der Geschäftsfall

Erstellen Sie als Mitarbeiter/-in der Möbelfabrik Wurm den Buchungssatz für den Geschäftsfall!

Der Geschäftsfall

Grundbuch
SollHabenSollHaben
 € €

Bei den Übungen geht es darum, den Geschäftsfall zu erfassen und zu erkennen, welchen Konten er zuzuordnen ist. Zusätzlich ist in manchen Fällen die Umsatzsteuer zu berücksichtigen und der Umsatzsteuerbetrag sowie der Netto- bzw. der Bruttobetrag zu berechnen.

Bei den Lösungen wird nicht angezeigt, wie der Umsatzsteuerbetrag und der Netto- bzw. Bruttobetrag berechnet wird. Sollten Sie damit noch Schwierigkeiten haben, so üben Sie bitte Thema 4.2 Umsatzsteuerberechnungen bzw. im Programmzweig Der Goldesel die Aufgaben zur Prozentrechnung.

Sie kennen bereits das Vorgehen bei der Bildung eines Buchungssatzes. Trotzdem sei an dieser Stelle noch einmal daran erinnert:

  1. zu verwendende Konten bestimmen
  2. Kontoart bestimmen
  3. Mehrung/Minderung bestimmen
  4. Soll/Haben-Buchung ableiten
  5. Buchungssatz nach Regel "Soll an Haben" erstellen und Beträge zuordnen

Wenn bei der Buchung die Umsatzsteuer zu berücksichtigen ist, müssen Sie des Weiteren beachten, ob der Umsatzsteuerbetrag gegeben oder zu berechnen ist. Ist er zu berechnen, so müssen Sie ihn entsprechend der Aufgabe ausgehend vom gegebenen Netto- bzw. Bruttobetrag berechnen.

Zum Verständnis: Grundlegendes zur Buchung der Privatentnahmen

Da die Privatentnahmen außerhalb des betrieblichen Geschehens stehen, ist es sinnvoll und nach dem Einkommenssteuerrecht auch verbindlich, die Privatentnahmen nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung (z. B. als Aufwand) einzutragen bzw. zu buchen, da sonst eine Vermischung von betrieblichen und privaten Aktivitäten auf einem Konto vorliegen würde. Vielmehr müssen die Privatentnahmen separat innerhalb der Buchführung erfasst werden.

Da durch die Privatentnahmen das Eigenkapital verändert wird, sollten sich die Entnahmen auch auf diesem passiven Bestandskonto wiederfinden. Sie müssten demnach auf der Sollseite des Kontos Eigenkapital gebucht werden, da hier eine Minderung vorliegt.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden die Entnahmen jedoch nicht direkt auf dem Eigenkapitalkonto gebucht, sondern es wird ein Unterkonto des Eigenkapitalkontos mit dem Bezeichnung Privat erstellt, von welchem die Summe der Entnahmen am Jahresende auf das Eigenkapitalkonto übertragen wird. Das Konto Privat ist demnach ein passives Bestandsunterkonto.

Bei den Privatentnahmen gibt es zwei Kategorien, die unterschiedlich gebucht werden.

1. Buchung von Geldentnahmen

Beispiel für laufende Buchungen: Entnahme von 1.000 € am 1.10. aus der Kasse.

Schritte zur Lösung:

  1. Die zu verwendenden Konten sind Privat (Entnahme) und Kasse.
  2. Privat ist ein passives Bestandsunterkonto des Eigenkapitals, Kasse ist ein aktives Bestandskonto.
  3. Auf beiden Konten findet eine Minderung statt. Wir halten fest:
    • Privat => passives Bestandsunterkonto => Minderung
    • Kasse => aktives Bestandskonto => Minderung
  4. Da bei dem Bestandsunterkonto Privat eine Minderung vorliegt, muss im Soll gebucht werden. Im Konto Kasse führt die Minderung zu einer Buchung im Haben. Für das Beispiel halten wir übersichtlich fest:
    • Privat => passives Bestandsunterkonto=> Minderung => im Soll
    • Kasse => aktives Bestandskonto => Minderung => im Haben
  5. Buchungssatz nach der Regel "Soll an Haben" im Grundbuch erstellen (Beträge sind in der Aufgabe gegeben):
Grundbuch: laufende Buchungen
SollHabenSollHaben
PrivatKasse1.000,00 €1.000,00 €

Am Ende einer Abrechnungsperiode (z. B. Geschäftsjahr) muss das passive Bestandsunterkonto Privat über das passive Bestandskonto Eigenkapital abgeschlossen werden. Hierzu wird das Konto Privat saldiert und der Saldo auf das Konto Eigenkapital übertragen. Anschließend muss das Konto Eigenkapital über das Schlussbilanzkonto (SBK) abgeschlossen werden.

Vorgegeben im Hauptbuch sei ein Anfangsbestand von 20.000 € im Eigenkapital und 8.000 € im Konto Kasse.

Grundbuch
SollHabenSollHaben
vorbereitende Abschlussbuchung (Abschluss Privatkonto)
EigenkapitalPrivat1.000,00 €1.000,00 €
Abschlussbuchungen
SBKEigenkapital19.000,00 €19.000,00 €
SBKKasse7.000,00 €7.000,00 €

Übersicht über die Eintragungen im Hauptbuch (Eigenkapital, Privat, Kasse)

SBK und GuV werden aus Vereinfachungsgründen nicht dargestellt.

SollEigenkapitalHaben
Privatentnahmen (Saldo)1.000 €Anfangsbestand20.000 €
SBK19.000 €
20.000 €20.000 €
SollPrivatHaben
Kasse1.000 €
Saldo/EK1.000 €
1.000 €1.000 €
SollKasseHaben
Anfangsbestand8.000 €
1) Privat1.000 €

SBK7.000 €
8.000 €8.000 €

Aus den Darstellungen im Hauptbuch wird ersichtlich, dass sich das Eigenkapital von 20.000 € auf 19.000 € verminderte, wenn das Konto über das SBK abgeschlossen würde. Des Weiteren liegt der Bestand in der Kasse nur noch bei 7.000 €.

2. Entnahme von Gegenständen und sonstigen Leistungen

Grundsätzlich sind Privatentnahmen von Gegenständen und sonstigen Leistungen mit wenigen Ausnahmen (z. B. Entnahme von Grundstücken) nach dem Umsatzsteuergesetz umsatzsteuerpflichtig.

Wie bei der Privatentnahme von Geld werden auch die Privatentnahmen von Gegenständen und sonstigen Leistungen über das passive Bestandsunterkonto Privat gebucht. Die Entnahme selbst (z. B. des Gegenstandes) wird über das Ertragskonto Entnahme von Gegenständen und sonstigen Leistungen (GusL) als Nettobetrag erfasst. Zudem wird eine Umsatzsteuer auf die Privatentnahme fällig, um dem Unternehmer, der sich Gegenstände oder sonstige Dienstleistungen aus dem Unternehmen entnimmt, mit dem Endverbraucher gleichzustellen.

Beispiel: Entnahme eines Schranks im Wert von 1.000 € am 1.11. aus dem betrieblichen Bestand.

Schritte zur Lösung:

Zuerst sind die notwendigen Beträge zu vervollständigen:

Im nächsten Schritt ist der Buchungssatz zu erstellen:

  1. Die zu verwendenden Konten sind Privat (Entnahme), Umsatzsteuer und Entnahme von Gegenständen und sonstigen Leistungen (GusL).
  2. Privat ist ein passives Bestandsunterkonto des Eigenkapitals, Umsatzsteuer ist ein passives Bestandskonto, Entnahme von GusL ist ein Ertragskonto.
  3. Da bei dem Bestandsunterkonto Privat eine Minderung vorliegt, muss im Soll gebucht werden. Durch die Erhöhung der Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt muss die Umsatzsteuer im Haben erfasst werden. Die Entnahme im Ertragskonto Entnahme von GusL muss im Haben als Ertrag gebucht werden. Für das Beispiel halten wir übersichtlich fest:
    • Privat => passives Bestandsunterkonto=> Minderung => im Soll
    • Umsatzsteuer => passives Bestandskonto => Mehrung => im Haben
    • Entnahme von GusL => Ertragskonto => Ertrag => im Haben
  4. Buchungssatz nach der Regel "Soll an Haben" im Grundbuch erstellen:
Grundbuch: laufende Buchungen
SollHabenSollHaben
PrivatEntnahme von GusL1.190,00 €1.000,00 €
Umsatzsteuer190,00 €

Vorbereitende Abschlussbuchung (Abschluss Privatkonto)

Vorgegeben im Hauptbuch sei ein Anfangsbestand von 20.000 € im Eigenkapital.

Grundbuch
SollHabenSollHaben
vorbereitende Abschlussbuchung (Abschluss Privatkonto)
EigenkapitalPrivat1.190 €1.190 €
Abschlussbuchungen
SBKEigenkapital18.810 €18.810 €
SBKUmsatzsteuer190 €190 €
Entnahme von GusLGuV1.000 €1.000 €

Übersicht über die Eintragungen im Hauptbuch (Eigenkapital, Privat, Entnahme von GusL, Umsatzsteuer)

Das SBK und GuV werden aus Vereinfachungsgründen nicht dargestellt.

SollEigenkapitalHaben
Privat1.190 €Anfangsbestand20.000 €
SBK18.810 €
20.000 €20.000 €
SollPrivatHaben
1) Entnahme von GusL/Umsatzsteuer1.190 €Eigenkapital/Saldo1.190 €
1.190 €1.190 €
SollEntnahme von GusLHaben
GuV1.000 €
1) Privat1.000 €
1.000 €1.000 €
SollUmsatzsteuerHaben
SBK190 €
1) Privat190 €
190 €190 €

Durch die Privatentnahme zeigt sich auf dem Konto Eigenkapital zum Jahresabschluss ein Wert von18.810 €, der dann auf das SBK übertragen werden müsste. Die Umsatzsteuer wird zum Jahresabschluss ebenso über das SBK abgeschlossen, da sie erst bis zum 10. des Folgemonats fällig wird. Die 190 € sind die Umsatzsteuer, welche der Privatmann "Unternehmer" als Endverbraucher zahlen muss.

3.1 Privateinlagen: Geldeinlagen

Neben den Privatentnahmen kann es auch Privateinlagen geben. Hier bringt der Unternehmer sein eigenes Vermögen (z. B. Geld, Auto) in das Unternehmen ein.

Einlagen dürfen wie auch die Entnahmen nicht den Gewinn verändern. Die Erfassung der Privateinlagen erfolgt wie die Buchung der Privatentnahmen auf dem Konto Privat.

Beispiel: Einlage von 2.000 € am 1.11. in die Geschäftskasse.

Schritte zur Lösung:

  1. Die zu verwendenden Konten sind Privat (Einlage) und Kasse.
  2. Privat ist ein passives Bestandsunterkonto des Eigenkapitals, Kasse ist ein aktives Bestandskonto.
  3. Auf beiden Konten findet eine Mehrung statt (Privat => Einlage => Mehrung, als Folge wird der Kassenbestand auch vermehrt). Wir halten fest:
    • Privat => passives Bestandsunterkonto => Mehrung
    • Kasse => aktives Bestandskonto => Mehrung
  4. Da bei dem Bestandsunterkonto Privat eine Einlage vorliegt, muss im Haben gebucht werden. Im Konto Kasse führt die Mehrung zu einer Buchung im Soll. Für das Beispiel halten wir übersichtlich fest:
    • Privat => passives Bestandsunterkonto=> Einlage => im Haben
    • Kasse => aktives Bestandskonto => Mehrung => im Soll
  5. Buchungssatz nach der Regel "Soll an Haben" im Grundbuch erstellen (Beträge sind in der Aufgabe gegeben):
Grundbuch: laufende Buchungen
SollHabenSollHaben
KassePrivat2.000,00 €2.000,00 €

Vorbereitende Abschlussbuchung (Abschluss Privatkonto)

Vorgegeben im Hauptbuch sei ein Anfangsbestand von 20.000 € im Eigenkapital und von 8.000 € im Konto Kasse.

Grundbuch
SollHabenSollHaben
vorbereitende Abschlussbuchung (Abschluss Privatkonto)
PrivatEigenkapital2.000 €2.000 €
Abschlussbuchungen
EigenkapitalSBK22.000 €22.000 €
SBKKasse10.000 €10.000 €

Übersicht über die Eintragungen im Hauptbuch (Eigenkapital, Privat, Kasse)

SBK und GuV werden aus Vereinfachungsgründen nicht dargestellt.

SollEigenkapitalHaben
SBK22.000 €Anfangsbestand20.000 €
Privat2.000 €
22.000 €22.000 €
SollPrivatHaben
Saldo/EK2.000 €1) Kasse2.000 €
2.000 €2.000 €
SollKasseHaben
Anfangsbestand8.000 €
SBK10.000 €
1) Privat2.000 €
10.000 €10.000 €

Aus dem Eigenkapitalkonto wird ersichtlich, dass das Eigenkapital sich um 2.000 vermehrt hat und mit 22.000 € in das SBK eingestellt werden muss. In der Kasse liegen jetzt 10.000 € und damit 2.000 € mehr als zuvor.

3.2 Privateinlagen: sonstige Vermögenseinlagen

Werden statt Geld Vermögenswerte in die Unternehmung eingebracht, so wird anstelle des Bank- bzw. Kassenkontos das jeweilige Vermögenskonto (z. B. Grundstücke) verwendet.

Zusammenfassende Übersicht über die Buchungen der Privatentnahmen und –einlagen

Art:Buchungssatz
Entnahmen
Geldentnahme:Privat an Kasse bzw. Bank
Güterentnahme:Privat an Entnahme von GusL und Umsatzsteuer
Dienstleistungsentnahme:Privat an Entnahme von GusL und Umsatzsteuer
Einlagen
Geldeinlage:Kasse bzw. Bank an Privat
sonstige Vermögenseinlage:Vermögenskonto (z. B. Grundstücke) an Privat
Vorbereitende Umbuchungen zum Jahresabschluss
Einlagen > Entnahmen:Privat an Eigenkapital
Einlagen < Entnahmen:Eigenkapital an Privat

Viel Erfolg beim Üben.