VWL-Trainer: Hinweise zu den Aufgaben zum Nachlesen

1.3 Wirtschaften, Minimal- und Maximalprinzip - Multiple Choice

Die Aufgaben

Mit Hilfe eines Multiple-Choice-Tests können Fragen mit folgenden Schwerpunkten geübt werden:

Bitte beachten Sie: Die einzelnen Aufgaben werden zur Laufzeit generiert. Dabei gibt es zu jeder Frage mehrere sprachlich und inhaltlich unterschiedliche Varianten. Das heißt, dass sich die Tests beim wiederholten Üben unterscheiden. Es ändert sich die Reihenfolge der Fragen, die Reihenfolge der Distraktoren in der jeweiligen Frage und es gibt unterschiedliche Formulierungen der Fragen und der Distraktoren. Es hat also keinen Sinn, sich zu merken, dass bei Frage 1 die Antwort 2 richtig ist usw., sondern man muss jedes Mal die Fragestellung neu erfassen und beantworten.

Zu den einzelnen Antworten erhalten Sie bei der Kontrolle weiterführende Erläuterungen.

Wirtschaften

Im Paradies oder im Garten Eden können alle Bedürfnisse erfüllt werden. Kaufkraft ist hier nicht notwendig, auch kein Markt, auf dem Güter gegen Güter oder Geld eingetauscht werden müssen. Freie Güter gibt es überall. Sinnbildlich kann der Apfel aus dem Garten Eden jederzeit gegriffen und gegessen werden.

Die reale Welt ist jedoch vom Paradies weit entfernt. Güter sind oftmals knapp bzw. begrenzt (z. B. Erdöl). Auf der anderen Seite sind und bleiben aus menschlicher Sicht die Bedürfnisse nach Gütern nahezu unbegrenzt (siehe Thema 1.1).

Es existiert ein Spannungsverhältnis zwischen der Endlichkeit der Güter und der Unbegrenztheit menschlicher Bedürfnisse.

Damit rückt "... das Knappheitsproblem, d. h. das Problem der Versorgung der Wirtschaftssubjekte mit knappen Gütern, (...)" (Mamberger, F., Seider, H. Allgemeine Volkswirtschaftslehre, Berlin, 2009, S. 11) in den Mittelpunkt der Betrachtung. "Wirtschaften heißt [dabei], nach bestimmten Kriterien Wahlentscheidungen zu treffen. Der wirtschaftende Mensch kann im Allgemeinen nicht alle Bedürfnisse befriedigen, sondern muss zwischen Alternativen wählen." (Woll, A., Allgemeine Volkswirtschaftslehre, 10. Auflage, München, 1990, S. 51).

Der Mensch muss also Vernunft (Ratio) einsetzen, um durch Wahlentscheidungen sein Güterproblem bestmöglich zu lösen.

Beispiel für eine Wahlentscheidung

Julia hat sehr großen Hunger und 7 Euro zur Verfügung. Gleichzeitig würde sie gern ins Kino gehen. Es wäre sinnvoll, wenn Julia für die 7 Euro Essen kauft, damit sie ihren Hunger stillt. Nach dem Modell von Maslow ist es rational, zuerst physiologische Grundbedürfnisse zu erfüllen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Julia zunächst eine so günstige Mahlzeit (z. B. ein Brötchen) einnimmt, dass das Geld danach noch für einen Kinobesuch reicht. Julia könnte aber auch einmal ihren Hunger ignorieren und mit knurrendem Magen ins Kino gehen.

Eine Wahlentscheidung heißt damit auch, dass der Nutzen aller Güter aufgrund der Knappheit eigener Ressourcen (z. B. Geld) nicht erreicht werden kann. Die Wahlentscheidung für das Stillen eines Bedürfnisses führt volkswirtschaftlich gesehen zu einem Nutzenzugang (Julia kauft sich für ihrer 7 Euro eine Pizza), der Verzicht zu einem Nutzenentgang (Julia hat das Geld für die Pizza aufgebraucht, ein Kinobesuch ist nicht mehr möglich).

Die Kosten einer entgangenen Gelegenheit bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre als Opportunitätskosten (Verzichtskosten). Dabei wird der Kostenbegriff sehr weit gefasst. Es ist nicht zwingend ein monetärer Begriff.

Exkurs: Prinzip der Opportunitätskosten anhand eines volkswirtschaftlichen Produktionsmodells

In der Volkswirtschaftslehre wird das Prinzip der Opportunitätskosten oft grafisch veranschaulicht. Dazu wird zur Vereinfachung der Darstellbarkeit eine Volkswirtschaft gewählt, bei der nur zwei Güter (2-Güter-Modell) hergestellt werden können. Im Folgenden wird angenommen, dass die Volkswirtschaft von Miniland nur Autos und Lokomotiven herstellt.

Produktionsmöglichkeiten Autos und Lokomotiven (in Tsd.)
Möglichkeit123456
Autos0246810
Lokomotiven543210

Werden die Produktionsmöglichkeiten in ein Koordinatenkreuz eingetragen und miteinander verbunden, so entsteht die Produktionsmöglichkeitskurve bzw. Transformationskurve.

Abbildung: Transformationskurve der Produktionsmöglichkeiten Autos und Lokomotiven (in Tsd.)

Abbildung: Transformationskurve

Die Punkte auf der blauen Linie zeigen alle Produktionsmöglichkeiten (5 Tsd. Lokomotiven und 0 Autos, 4 Tsd. Lokomotiven und 1 Tsd. Autos, usw.).

Punkt A (Produktion von 2 Tsd. Autos und 1 Tsd. Lokomotiven) liegt unterhalb der Transformationskurve, d. h. auch diese Kombination ist möglich. Sie ist aber nicht effizient, da sie die Produktionsmöglichkeiten in Miniland nicht ausschöpft.

Die Produktionskombination in Punkt B (10 Tsd. Autos und 5 Tsd. Lokomotiven), die oberhalb der Transformationskurve liegt, ist dagegen nicht möglich.

Werden zum Beispiel anstelle von 6 Tsd. Autos nunmehr 8 Tsd. Autos produziert, so sinkt die Produktionsmöglichkeit der Lokomotiven um 1 Tsd. Die Opportunitätskosten (Verzichtskosten) für die Mehrproduktion von Autos betragen in diesem Fall 1 Tsd. Lokomotiven.

Die Transformationskurve muss keinen linearen Verlauf haben. Fließen zum Beispiel noch weitere Effekte ein, die einen Einfluss auf die Produktionsmöglichkeiten haben (z. B. Verbundeffekte, Ausbildungseffekte), so kann der Kurvenverlauf auch eine konkave Form annehmen (weitere Informationen unter https://de.wikipedia.org/wiki/Transformationskurve).

Hinweis: In den meisten IHK-Prüfungen ist die Transformationskurve (Produktionsmöglichkeitskurve) kein Bestandteil der Prüfung. An den Fachoberschulen oder Gymnasien im Fach Wirtschaftswissenschaft wird die Transformationskurve zur Verdeutlichung der Opportunitätskosten oft im Unterricht behandelt, obwohl auch hier in den Abschlussprüfungen die Kurve in der Regel nicht abgeprüft wird.

Ökonomische Prinzipien – Leitlinien wirtschaftlichen Handelns

Laufen Wahlentscheidungen wirtschaftlich bzw. planvoll ab, so nutzt der Mensch ökonomische Prinzipien. Die Volkswirtschaftslehre unterscheidet drei ökonomische Prinzipien: Minimalprinzip, Maximalprinzip und das Extremumprinzip.

Beim Minimalprinzip ist das Ziel vorgeben (Zielrestriktion). Es soll mit minimalem Mitteleinsatz (Optimierung der Mittel/Aufwands­minimierung) erreicht werden.

Beispiele für das Minimalprinzip

Beim Maximalprinzip soll mit gegebenen Mitteln (Mittelrestriktion) ein bestmögliches Ziel erreicht werden (Nutzenmaximierung).

Beispiele für das Maximalprinzip

Beim Extremumprinzip soll ein optimales (günstiges) Verhältnis zwischen einem Output und Input hergestellt werden. Dabei ist der Output und Input variabel, d. h. es gibt keine Zielrestriktion (Output) oder Mittelrestriktion (Input).

Beispiel für das Extremumprinzip

Es soll eine Currywurst gekauft werden, bei der das Verhältnis zwischen Preis und Qualität optimal ist.

Der Preis und die Qualität sind bei der Herstellung eines Optimums variabel. Es gibt keine Vorgaben (Ziel-Mittel-Restriktionen).

In Abgrenzung hierzu könnte das Minimalprinzip folgendermaßen formuliert werden: Für eine Currywurst mit vorgebender Qualität (Zielrestriktion) soll so wenig Geld wie möglich ausgegeben werden.

Eine mögliche Formulierung mit einem Maximalprinzip könnte folgendermaßen lauten: Ein Euro steht für den Kauf einer Currywurst zur Verfügung (Mittelrestriktion). Dafür soll die Wurst mit der besten Qualität angeschafft werden.

Hinweis: In den IHK-Prüfungen und den meisten kaufmännischen Lehrbüchern für den Berufsschulunterricht wird ausschließlich das Maximal- und das Minimalprinzip behandelt (obwohl in der Praxis das Extremumprinzip oft Anwendung findet). In Anlehnung an die meisten Lehrpläne konzentriert sich das Lernnetz24 bei den Multiple-Choice-Aufgaben auf das Maximal- und das Minimalprinzip. Das Extremumprinzip wird der Vollständigkeit halber beschrieben.

Viel Erfolg beim Üben.