VWL-Trainer: Hinweise zu den Aufgaben zum Nachlesen

1.1 Bedürfnisse, Bedarf, Nachfrage, Markt, Angebot - Multiple Choice

Die Aufgaben

Mit Hilfe eines Multiple-Choice-Tests können Fragen rund um volkswirtschaftliche Grundlagen mit folgenden Schwerpunkten geübt werden:

Bitte beachten Sie: Die einzelnen Aufgaben werden zur Laufzeit generiert. Dabei gibt es zu jeder Frage mehrere sprachlich und inhaltlich unterschiedliche Varianten. Das heißt, dass sich die Tests beim wiederholten Üben unterscheiden. Es ändert sich die Reihenfolge der Fragen, die Reihenfolge der Distraktoren in der jeweiligen Frage und es gibt unterschiedliche Formulierungen der Fragen und der Distraktoren. Es hat also keinen Sinn, sich zu merken, dass bei Frage 1 die Antwort 2 richtig ist usw., sondern man muss jedes Mal die Fragestellung neu erfassen und beantworten.

Zu den einzelnen Antworten erhalten Sie bei der Kontrolle weiterführende Erläuterungen.

Vorbemerkung

Schwerpunkt des Themas 1. Grundlagen der Volkswirtschaftslehre ist die terminologische und inhaltliche Klärung volkswirtschaftlicher Grundbegriffe, die sich zum Teil erheblich vom alltagssprachlichen Gebrauch unterscheiden.

1. Bedürfnisse

Jeder Mensch, ob als Erwachsener oder als Kind, hat viele unterschiedlichste Bedürfnisse. Wenn zum Beispiel der Magen knurrt, ist das ein Zeichen, dass ein Bedürfnis nach Nahrung vorliegt. Nicht bei jedem unserer Bedürfnisse liegt so ein klarer und hörbarer Hinweis auf das Bedürfnis vor. Viele Bedürfnisse sind nach außen für Dritte nicht wahrnehmbar. Sie liegen als mentale Konstruktionen in unserem Kopf vor. Ein Beispiel dafür ist der Wunsch nach einer Freundin oder einem Freund.

Bedürfnisse verändern sich im Laufe der Zeit. War früher das Bedürfnis nach einer Digitalkamera nicht vorhanden, so lag es mit Sicherheit daran, dass solch eine Kamera noch nicht erfunden war und damit nicht existierte. Sicherlich werden auch in Zukunft neue Bedürfnisse entstehen, von denen wir heute noch nichts ahnen (z. B. ein tragbarer Wasserfilter, der Medikamentenrückstände aus dem Trinkwasser entfernen kann).

Bedürfnisse können sowohl auf materielle (etwas Konkretes, das man anfassen kann) als auch auf immaterielle (abstrakte) Güter gerichtet sein. Ein immaterielles Gut ist zum Beispiel das Glück.

Allen Bedürfnissen ist jedoch gemein, dass sie ein Mangelempfinden beschreiben, das von uns Menschen beseitigt werden will. Bedürfnisse sind damit die Grundlage bzw. der Antrieb für unser Handeln.

Exkurs: Einteilung der Bedürfnisse nach Maslow (Maslow´sche Bedürfnispyramide)

In der Wissenschaft gibt es mehrere Modelle, die Vielzahl der Bedürfnisse in einem System einzuteilen. Eine berühmte Einteilung, die auch im Unterricht vieler kaufmännischer Schulen behandelt wird, ist das Stufenmodell von Abraham Maslow (1908-1970). Er war Psychologe und einer der Gründerväter der humanistischen Psychologie.

Sein Stufenmodell (auch Maslow´sche Bedürfnispyramide genannt) lässt sich wie folgt beschreiben:

Nach Maslow existieren fünf Bedürfnisgruppen, die in einer festen Hierarchie zueinander stehen. Auf der grundlegenden Ebene sind die physiologischen Bedürfnisse wie zum Beispiel Essen und Trinken angesiedelt. Die Grundbedürfnisse müssen weitgehend erfüllt sein, bevor sich ein Mensch der nächsthöheren Stufe seiner Bedürfnisse zuwendet. Auf der zweiten Stufe folgen die Sicherheits­bedürfnisse. Hierzu zählt zum Beispiel das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit und Sicherheit. Danach folgen nach Maslow die sozialen Bedürfnisse wie zum Beispiel das Anschlussbedürfnis an eine Familie oder einen Freundeskreis. Sind diese weitgehend erfüllt, wendet sich der Mensch der nächsthöheren Bedürfnisstufe zu, auf der sich die Wertschätzungs­bedürfnisse (Bedürfnis nach Status, Respekt, Anerkennung usw.) befinden. Die höchste Bedürfnisstufe sind die Selbstverwirklichungs­bedürfnisse wie zum Beispiel die Bedürfnisse nach Individualität, Spiritualität und Perfektion.

Insgesamt unterstellt Maslow den Menschen eine positive Motivation, d. h. der Mensch möchte grundsätzlich die höheren Ebenen der Bedürfnisse erreichen.

Die Bedürfnisse nach Maslow werden in den Lehrbüchern häufig als Pyramide dargestellt, bei der die physiologischen Bedürfnisse die Basis und die Selbstverwirklichungsbedürfnisse die Spitze bilden.

Abbildung: Bedürfnispyramide nach Maslow

Abbildung: Bedürfnispyramide nach Maslow

Die Darstellung der Bedürfnisse als Pyramide ist allerdings eine Interpretation seiner Arbeit durch andere, stammt also nicht von Maslow selbst, der diese Darstellung als zu statisch ansah. So muss ein Bedürfnis nicht zu 100 % erfüllt sein, bevor Bedürfnisse der nächsten Ebene angestrebt werden können. Je nach der Persönlichkeitsstruktur kann es auch passieren, dass Bedürfnisebenen übersprungen werden.

Abschließend sei Interessierten die weiterführende Lektüre unter https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie empfohlen.

2. Bedarf

"Bedarf ist der Teil der Bedürfnisse, der sich mit dem zur Verfügung stehenden Einkommen erfüllen lässt." (Härtl, J.; Merkel, W.: Volkswirtschaftslehre, Berlin, 2002, S. 7). Besteht also die Möglichkeit, ein Bedürfnis mittels Kaufkraft (= Geld) zu erfüllen, so spricht man im volkswirtschaftlichen Sinn von einem Bedarf. Bedürfnisse, die nicht mit Geld befriedigt werden können, spielen für den Bedarf im volkswirtschaftlichen Sinn keine Rolle.

Ein Bedürfnis kann dabei noch sehr abstrakt bzw. sehr unbestimmt sein (z. B. Durst). Es ist nicht non vornherein klar, welches Gut zum Löschen des Durstes getrunken wird. Das ist aber entscheidend, wenn man wissen will, ob die Möglichkeit eines Kaufs besteht. Ein Bedarf sind daher auch konkretisierte bzw. bestimmte Bedürfnisse (vgl.: Seidel, H.: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, Troisdorf, 28. Auflage, S. 12).

Beispiel: Lisa geht gern ins Kino. Eine Kinokarte kostet 10 €. Lisa hat von ihrer Oma 100 € geschenkt bekommen.

Lisa möchte ins Kino gehen (Bedürfnis). Sie will den Film Jura Forest sehen (Konkretisierung). Das Geld zum Besuch des Kinos besitzt sie (Kaufkraft). Daher wird das Bedürfnis ein Bedarf.

In der Volkswirtschaftslehre werden Bedarfe oftmals auch kategorisiert (z. B. in Grundbedarf, Luxusbedarf etc.). Ein Grundbedarf wäre zum Beispiel das tägliche Brot zum Frühstück. Zum Luxusbedarf würde man ein teures Auto zählen.

3. Nachfrage, Markt und Angebot

Wird der Bedarf am Markt wirksam, so spricht man von einer Nachfrage (vgl. Härtl, J.; Merkel, W.: a.a.O., S. 7). Der Kauf findet statt, wenn ein Angebot am Markt vorhanden ist.

Der Markt ist also der Ort des Aufeinandertreffens eines Angebots und einer Nachfrage.

Märkte können sehr unterschiedlich ausgeformt sein. Märkte, bei denen der Anbieter (z. B. der Schuhverkäufer) mit dem Nachfrager (z. B. Schuhkäufer) spricht und eventuell auch handelt, werden als klassische Märkte bezeichnet. Daneben gibt es zunehmend auch Märkte im Internet, die als Online-Märkte bezeichnet werden. Bei ihnen stehen sich der Nachfrager und Anbieter nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gegenüber, sondern nur noch virtuell.

Zusammenfassung

Die folgende Abbildung soll die Mengenverhältnisse von Bedürfnissen, Bedarf, Nachfrage verdeutlichen und den Markt als Ort des Aufeinandertreffens von Nachfrage und Angebot zeigen. Im Unterricht wird diese Abbildung gern verwendet, um Zusammenhänge erläutern zu lassen.

Abbildung: Zusammenhänge zwischen Bedürfnissen, Bedarf, Nachfrage, Markt und Angebot

Abbildung: Zusammenhänge zwischen Bedürfnissen, Bedarf, Nachfrage, Markt und Angebot

Viel Erfolg beim Üben.