Goldesel
Goldesel: Hinweise zu den Aufgaben

2.1 Zinstage: Berechnung nach der deutschen kaufmännischen Methode

Die Aufgaben

Bei diesen Aufgaben soll die Anzahl der Zinstage für einen gegebenen Zeitraum berechnet werden:

Ermitteln Sie die Anzahl der Zinstage nach der deutschen kaufmännischen Methode!

Aufgabe Ergebnis
1.)02.11.2011 - 14.05.2012 Tage
2.)22.05.2011 - 12.12.2011 Tage
3.)15.08.2011 - 19.05.2012 Tage
4.)25.02.2011 - 12.05.2011 Tage
5.)07.10.2011 - 12.12.2011 Tage

Zum Verständnis

Die deutsche kaufmännische Methode geht nicht von der tatsächlichen Anzahl der Kalendertage aus, sondern legt Folgendes fest:

Bezogen auf dem Fristbeginn gelten laut Bürgerlichen Gesetzbuch § 187 (Fristbeginn) folgende Regeln:

(1) Ist für den Anfang einer Frist ein Ereignis oder ein in den Lauf eines Tages fallender Zeitpunkt maßgebend, so wird bei der Berechnung der Frist der Tag nicht mitgerechnet, in welchen das Ereignis oder der Zeitpunkt fällt.

(2) Ist der Beginn eines Tages der für den Anfang einer Frist maßgebende Zeitpunkt, so wird dieser Tag bei der Berechnung der Frist mitgerechnet. (...).

Je nach Sachverhalt zählt bei der Berechnung der Zinstage der erste Tag einer Frist mit oder nicht.

Interpretation und Beispiele

BGB § 187 (1), erster Tag zählt nicht mit

Wird der Anfang eines Verzinsungszeitraumes (= Frist) erst durch ein Ereignis oder einen in den Lauf eines Tages fallenden Zeitpunkt ausgelöst, so wird dieser Tag nicht mitgerechnet.

Ein in den Tag fallender Zeitpunkt ist zum Beispiel die Fälligkeit einer Rechnung, die Aufnahme eines Darlehens oder das Einzahlen von Geld auf ein Sparkonto. Die Verzinsung beginnt in diesen Fällen am Folgetag.

Beispiele:

BGB § 187 (2), erster Tag zählt mit

Ist für den Verzinsungsbeginn der Beginn eines Tages der maßgebende Zeitpunkt, so wird dieser Tag mitgerechnet.

Vertraglich ist es möglich, dass der Zinszeitraum schon mit dem ersten Tag beginnt. Der Vertrag gibt in diesem Fall ausdrücklich den maßgebenden Zeitpunkt an.

Beispiel:

Auch bei Zinszeiträumen, die zum Beispiel von Gerichten festgelegt werden, liegt der maßgebende Eintritt der Verzinsung schon am ersten Tag.

Beispiel:

Hinweis:

Die Rechenaufgaben und Beispiele im Lernnetz24 beziehen sich im Einklang mit den meisten IHK-Prüfungen auf die Variante § 187 (1), d.h. der erste Tag wird nicht mitgerechnet.

Die Folgen dieser Festlegungen seien an ein paar Beispielen demonstriert:

Zinszeitraum innerhalb eines Monats
15.02.2012 - 29.02.2012 Zinstage: 14 Tage
15.01.2011 - 31.01.2011 Zinstage: 15, da ein Monat maximal 30 Tage hat
Zinszeitraum innerhalb zweier Monate
15.02.2012 - 03.03.2012 Zinstage im Februar: 15 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Zinstage im März: 3 Tage
Zinstage gesamt: 18 Tage
15.01.2011 - 28.02.2011 Zinstage im Januar: 15 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Zinstage im Februar: 28 Tage
Zinstage gesamt: 43 Tage
Zinszeitraum über mehr als zwei Monate
15.02.2012 - 03.09.2012 Zinstage im Februar: 15 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Monate: 6 -> 180 Tage (alle Monate haben 30 Tage!)
Zinstage im September: 3 Tage
Zinstage gesamt: 198 Tage
15.01.2011 - 31.12.2011 Zinstage im Januar: 15 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Monate: 10 -> 300 Tage (alle Monate haben 30 Tage!)
Zinstage im Dezember: 30 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Zinstage gesamt: 345 Tage

Aus den Beispielen lassen sich zur Unterstützung zwei Merkhilfen ableiten:

Das Gesagte gilt nur für die deutsche kaufmännische Methode zur Ermittlung der Zinstage.

Eigentlich nicht schwer, wenn man der Logik folgt.

Nebenbei: Es besteht Hoffnung, dass die deutsche kaufmännische Methode im gemeinsamen Europa verschwindet. Bis dahin sollte man Geduld haben.

Viel Erfolg beim Üben.