Goldesel
Goldesel: Hinweise zu den Aufgaben

2.1 Zinstage: Berechnung nach der deutschen kaufmännischen Methode

Die Aufgaben

Bei diesen Aufgaben soll die Anzahl der Zinstage für einen gegebenen Zeitraum berechnet werden:

Ermitteln Sie die Anzahl der Zinstage nach der deutschen kaufmännischen Methode!
Zinstage berechnen nach:
AufgabeErgebnis
1.)02.11.2011 - 14.05.2012 Tage
2.)22.05.2011 - 12.12.2011 Tage
3.)15.08.2011 - 19.05.2012 Tage
4.)25.02.2011 - 12.05.2011 Tage
5.)07.10.2011 - 12.12.2011 Tage

Sie können wählen, ob Sie die Anzahl der Zinstage nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) oder nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) berechnen.

Bei der Option Zinstage berechnen nach BGB (B2C) wird der erste Tag des angegebenen Zeitraumes bei der Berechnung der Zinstage nicht berücksichtigt.

Bei der Option Zinstage berechnen nach HGB (B2B) wird der erste Tag des angegebenen Zeitraumes bei der Berechnung der Zinstage hingegen berücksichtigt, die Anzahl der Zinstage erhöht sich also um einen Tag.

Zum Verständnis

Im kaufmännischen Mahnwesen in Deutschland spielt bei der Berechnung der mit Mahnzinsen verzinsten Tage die deutsche kaufmännische Methode eine wichtige Rolle. Das gilt auch für viele IHK-Prüfungen (zum Beispiel Kaufleute für Büromanagement).

Bei der Berechnung der Zinstage nach der deutschen kaufmännischen Zinsmethode gibt es zwei Varianten. Welche zu verwenden ist, hängt vom Vertragsverhältnis ab, in dem die Vertragspartner zueinander stehen:

  1. Die Berechnung der Zinstage nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gilt für den bürgerlichen Kauf (Nichtkaufmann- Nichtkaufmann) und den einseitigen Handelskauf (Kaufmann – Nichtkaufmann (auch genannt: B2C – Business to Consumer).
  2. Die Berechnung der Zinstage nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) gilt für den zweiseitigen Handelskauf (auch genannt: B2B = Business to Business)

Für beide Varianten gilt, dass nicht von der tatsächlichen Anzahl der Kalendertage ausgegangen wird, sondern Folgendes festgelegt ist:

Berechnung der Zinstage nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)

Bezogen auf dem Fristbeginn gelten laut Bürgerlichen Gesetzbuch § 187 (Fristbeginn) folgende Regeln:

(1) Ist für den Anfang einer Frist ein Ereignis oder ein in den Lauf eines Tages fallender Zeitpunkt maßgebend, so wird bei der Berechnung der Frist der Tag nicht mitgerechnet, in welchen das Ereignis oder der Zeitpunkt fällt.

(2) Ist der Beginn eines Tages der für den Anfang einer Frist maßgebende Zeitpunkt, so wird dieser Tag bei der Berechnung der Frist mitgerechnet. (...).

Je nach Sachverhalt zählt bei der Berechnung der Zinstage der erste Tag einer Frist mit oder nicht.

Interpretation und Beispiele

BGB § 187 (1), erster Tag zählt nicht mit

Wird der Anfang eines Verzinsungszeitraumes (= Frist) erst durch ein Ereignis oder einen in den Lauf eines Tages fallenden Zeitpunkt ausgelöst, so wird dieser Tag nicht mitgerechnet.

Ein in den Tag fallender Zeitpunkt ist zum Beispiel die Fälligkeit einer Rechnung, die Aufnahme eines Darlehens oder das Einzahlen von Geld auf ein Sparkonto. Die Verzinsung beginnt in diesen Fällen am Folgetag.

Beispiele:

BGB § 187 (2), erster Tag zählt mit

Ist für den Verzinsungsbeginn der Beginn eines Tages der maßgebende Zeitpunkt, so wird dieser Tag mitgerechnet.

Vertraglich ist es möglich, dass der Zinszeitraum schon mit dem ersten Tag beginnt. Der Vertrag gibt in diesem Fall ausdrücklich den maßgebenden Zeitpunkt an.

Beispiel:

Auch bei Zinszeiträumen, die zum Beispiel von Gerichten festgelegt werden, liegt der maßgebende Eintritt der Verzinsung schon am ersten Tag.

Beispiel:

Die Folgen dieser Festlegungen seien an ein paar Beispielen demonstriert:

Zinszeitraum innerhalb eines Monats
15.02.2012 - 29.02.2012Zinstage: 14 Tage
15.01.2011 - 31.01.2011Zinstage: 15, da ein Monat maximal 30 Tage hat
Zinszeitraum innerhalb zweier Monate
15.02.2012 - 03.03.2012Zinstage im Februar: 15 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Zinstage im März: 3 Tage
Zinstage gesamt: 18 Tage
15.01.2011 - 28.02.2011Zinstage im Januar: 15 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Zinstage im Februar: 28 Tage
Zinstage gesamt: 43 Tage
Zinszeitraum über mehr als zwei Monate
15.02.2012 - 03.09.2012Zinstage im Februar: 15 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Monate: 6 -> 180 Tage (alle Monate haben 30 Tage!)
Zinstage im September: 3 Tage
Zinstage gesamt: 198 Tage
15.01.2011 - 31.12.2011Zinstage im Januar: 15 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Monate: 10 -> 300 Tage (alle Monate haben 30 Tage!)
Zinstage im Dezember: 30 Tage (Ein Monat hat 30 Tage!)
Zinstage gesamt: 345 Tage

Aus den Beispielen lassen sich zur Unterstützung zwei Merkhilfen ableiten:

Berechnung der Zinstage nach dem Handelsgesetzbuch (HGB)

HGB § 353, erster Tag zählt grundsätzlich mit

Laut § 353 Handelsgesetzbuch gilt: "Kaufleute untereinander sind berechtigt, für ihre Forderungen aus beiderseitigen Handelsgeschäften vom Tage der Fälligkeit an Zinsen zu fordern. (...)"

Mit anderen Worten: Ist nichts anderes vereinbart, so besteht bei zweiseitigen Handelsgeschäften die Möglichkeit, den ersten Tag mit einzubeziehen. Da ein Verzicht für den Fordernden ein Zinsverlust darstellen würde, ist eine Berechnung vom Tag der Fälligkeit die kaufmännische Regel.

Viel Erfolg beim Üben.