BWL-Trainer: Hinweise zu den Aufgaben zum Nachlesen

2.2 Bestellpunkt- und Bestellrhythmusverfahren - Multiple Choice

Die Aufgaben

Mit Hilfe eines Multiple-Choice-Tests können Fragen rund um das Thema Bestellpunkt- und Bestellrhythmusverfahren im Rahmen der Beschaffung geübt werden.

Bitte beachten Sie: Die einzelnen Aufgaben werden zur Laufzeit generiert. Dabei gibt es zu jeder Frage mehrere sprachlich und inhaltlich unterschiedliche Varianten. Das heißt, dass sich die Tests beim wiederholten Üben unterscheiden. Es ändert sich die Reihenfolge der Fragen, die Reihenfolge der Distraktoren in der jeweiligen Frage und es gibt unterschiedliche Formulierungen der Fragen und der Distraktoren. Es hat also keinen Sinn, sich zu merken, dass bei Frage 1 die Antwort 2 richtig ist usw., sondern man muss jedes Mal die Fragestellung neu erfassen und beantworten.

Zu den einzelnen Antworten erhalten Sie bei der Kontrolle weiterführende Erläuterungen.

Grundsätzliches zur verbrauchsorientierten Beschaffungsplanung

Bei der Planung der Beschaffungsmengen im Einkauf können als Grundlage vergangene Lagerabgänge bzw. Verbrauchswerte herangezogen werden.

In der Betriebswirtschaftslehre gibt es zwei verbrauchsorientierte Verfahren zur Beschaffungsplanung: das Bestellpunktverfahren und das Bestellrhythmusverfahren.

Beide Verfahren werden im Folgenden dargestellt.

1. Bestellpunktverfahren (Bestellpunktsystem) – mengenbezogene Bestellauslösung

Beim Bestellpunktverfahren wird eine Bestellung immer dann ausgelöst, wenn eine vorab bestimmte Höhe des Lagerbestands (Meldebestand/Bestellpunkt/Meldemenge) erreicht wird. Die Bestelltermine sind damit variabel, da sie vom Verbrauch (bzw. den Lagerabgängen) abhängen.

Der aktuelle Lagerbestand wird fortlaufend über Lagerkarteien oder mittels eines Warenwirtschaftssystems im Computersystem ermittelt, so dass ein Überschreiten des Meldebestands jederzeit erfasst und damit bemerkt werden kann.

Der Meldebestand lässt sich folgendermaßen berechnen:

Meldebestand = (Tagesabsatz bzw. Tagesverbrauch · Lieferzeit) + Mindestbestand

Anmerkung: Der Tagesverbrauch bzw. Tagesabsatz kann in vielen Fällen nur geschätzt werden oder aus den Werten der Vergangenheit abgeleitet werden (z. B. durch Ermittlung eines durchschnittlichen Tagesverbrauchs der Vergangenheit).

Wo genau der Meldebestand liegt, hängt von den Wünschen und betrieblichen Notwendigkeiten der Unternehmung ab.

Der Mindestbestand ist der Bestand, der nie unterschritten werden sollte. Er stellt die eiserne Reserve bzw. Notreserve dar. Sie ist wichtig, um bei Lieferschwierigkeiten (zum Beispiel bei einem Streik in den Zuliefererbetrieben) auch weiterhin Kunden beliefern zu können.

Beispielrechnung zum Meldebestand:

Vom Badschrank Modell Simply yellow werden täglich durchschnittlich 10 Stück verkauft. Die Lieferzeit beträgt 6 Tage. Der Mindestbestand am Lager soll sicherheitshalber 100 Stück betragen, da die Verkäufe durch regelmäßige Schwankungen der Bestellungen schwer zu prognostizieren sind und unsere Kunden regelmäßig und ohne Verspätung beliefert werden sollen.

Wie hoch beträgt der Meldebestand beim Badschrank Simply yellow?

Lösung:

Der Meldebestand ist bei einer Stückzahl von 160 erreicht, bei 160 Stück wird also nachbestellt.

Der Höchstbestand gibt an, wie viel Waren bzw. Werkstoffe maximal gelagert werden können, d. h. bis zu welcher Höhe der Bestand aufgefüllt werden kann. Bis zum Höchstbestand einzulagern, ist jedoch nicht immer sinnvoll, da die Einlagerungsmenge auch von anderen Faktoren abhängt (z. B. Verderb, Absatz etc.).

Der vorab festgelegte optimale Lagerbestand ist ein Soll-Zustand, der durch Neulieferungen regelmäßig angestrebt wird.

Die Bestellmenge ist in der Regel von den Verbrauchswerten der Vergangenheit abhängig. Man nimmt an, dass der in der Vergangenheit vorgefundene Verbrauch auch während der Bestellzeit weiter fortbesteht.

Das Bestellpunktverfahren – gleichmäßiger Verbrauch

Im Modell, das sich regelmäßig in Schulbüchern findet, ist der Verbrauch im Zeitverlauf gleich. Auch die Bestellmenge ist jederzeit gleich. Dabei wird der Lagerbestand beim Eintreffen der Lieferung bis zum optimalen Bestand aufgefüllt.

Um den Verlauf der Lagerbestände im Modell zu beschreiben, wird oft der Begriff Sägezahnkurve verwendet.

Abbildung: Bestellpunktverfahren – gleichmäßiger Verbrauch

Abbildung: Bestellpunktverfahren – gleichmäßiger Verbrauch

In der Realität sind die Verbräuche jedoch nicht über alle Zeiträume gleich. Schwankungen im Absatz bedingen oft auch Schwankungen im Lagerbestand. Damit erfolgt das Überschreiten der Meldebestände in unterschiedlichen Abständen zueinander. Werden jeweils die gleichen Lieferanten mit gleichen Lieferzeiten ausgewählt, so ist das zeitliche Intervall von der Bestellung bis zum Eintritt der Lieferung immer gleich. Die Zeitintervalle von Lieferung zu Lieferung sind jedoch immer unterschiedlich.

Abbildung: Bestellpunktverfahren – schwankender Verbrauch

Abbildung: Bestellpunktverfahren – schwankender Verbrauch

Würde der Verbrauch auch in Zukunft dauerhaft unterhalb des Mindestbestands sinken, so sollte der Meldebestand erhöht werden oder ein Lieferant gefunden werden, der die benötigten Waren bzw. Werkstoffe schneller anliefert. Sollten dagegen die Waren bzw. Werkstoffe regelmäßig schon lange vor Erreichen des Mindestbestands angeliefert werden, so wird das Lager oberhalb der optimalen Lagermenge befüllt. Hier wäre eine niedrigere Festlegung des Bestellpunktes sinnvoll.

Fachlicher Hinweis: Würde man die unterschiedlichen Verbräuche addieren und einen durchschnittlichen Verbrauch ermitteln und diesen jeweils pro Zeiteinheit als Verbrauch verwenden, so würde die Kurve im Verlauf geglättet werden und sich der idealtypischen Kurve meist annähern. Diese Diskussion wird jedoch in den meisten Lehrbüchern für die IHK-Prüfungen nicht geführt.

Übersicht über mögliche Gründe für die Erhöhung und für die Absenkung des Meldebestands

Der Meldebestand wird
erhöhtgesenkt
wenn der Bedarf steigtwenn der Bedarf sinkt
wenn sich die Beschaffungszeit verlängertwenn sich die Beschaffungszeit verkürzt

Weitere Formeln zum Bestellpunktverfahren

Bestellmenge = optimaler Lagerbestand – Meldebestand + (Tagesverbrauch · Tage)
Bestellintervall in Tagen = optimaler Bestand – Sicherheitsbestand
Tagesverbrauch
eiserne Reserve = Sicherheitszeit · täglicher Verbrauch (Durchschnitt)

2. Bestellrhythmusverfahren – terminbezogene Bestellauslösung

Bei einem Bestellrhythmusverfahren wird die Bestellung immer nach einem gleichen Zeitraum (Zeitintervall) automatisch ausgelöst. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer terminbezogenen Bestellauslösung in periodisch gleichen Zeitintervallen.

Ziel ist es, dass der Lagerbestand durch eine im Voraus festgelegte regelmäßige Bestellmenge (meist die optimale Bestellmenge) zum Zeitpunkt der Lieferung bis zum optimalen Bestand aufgefüllt wird. Notwendige Voraussetzung dafür ist, dass die Verbräuche innerhalb der Zeitintervalle (nahezu) gleich sind.

Abbildung: Bestellrhythmusverfahren

Abbildung: Bestellrhythmusverfahren

Geeignet ist das Bestellrhythmusverfahren also, wenn die durch den Absatz oder die Fertigung entstehenden Lagerentnahmen regelmäßig über den Zeitverlauf in gleicher Höhe anfallen und damit berechenbar sind.

Insbesondere bei vollkommen automatisierten Bestellverfahren besteht jedoch die Gefahr, dass bei unvorhergesehenen Nachfrageschwankungen im Absatz oder Schwankungen in der Fertigung der eiserne Bestand unterschritten oder der optimale Bestand überschritten wird. In diesen Fällen sind Neufestlegungen des Bestellrhythmus notwendig oder es ist auf das Bestellpunktverfahren umzustellen.

3. Zusammenfassende Übersicht der verbrauchsorientierten Bestellverfahren

BestellpunktverfahrenBestellrhythmusverfahren
Klassifizierungmengenbezogenes Bestellverfahrenterminbezogenes Bestellverfahren
Beschreibung

Es wird immer dann bestellt, wenn der Meldebestand erreicht wird.

Die Zeitintervalle zwischen den Meldebeständen sind in der Regel unterschiedlich lang (Ausnahme: ideal­typisches Bestellpunktmodell).

In der Regel wird eine vorab festgelegte optimale Bestellmenge bestellt. Sie versucht sicherzustellen, dass bis zum optimalen Lagerbestand bei Anlieferung aufgefüllt wird.

Es wird immer dann bestellt, wenn der vorab festgelegte Zeitpunkt erreicht wird.

Die Zeitintervalle zwischen den Zeitpunkten sind konstant bzw. gleichbleibend.

In der Regel wird eine vorab festgelegte optimale Bestellmenge bei Erreichen des Zeitpunkts bestellt. Ziel ist dann bei Anlieferung der Waren das Auffüllen des Lagers bis zum optimalen Lagerbestand.

geeignet fürGüter mit ständigen BedarfsschwankungenGüter mit konstanten (gleichmäßigen) Bedarfen bzw. sehr geringen Bedarfsschwankungen
VorteileBei Bedarfsschwankungen könnten Fehlmengen am Lager weitgehend vermieden werden, da nach jedem Erreichen des Meldebestands erst bestellt wird. Zudem könnte im Notfall die Bestellmenge neu festgelegt werden. Dadurch besteht nur eine geringe Gefahr der Unterdeckung.Vereinfachung des Bestellsystems, da automatisch bestellt wird.
NachteileEs besteht ein höherer personeller Aufwand als beim Bestellrhythmusverfahren (Bestellkosten).Wenn Bedarfsschwankungen auftreten, kann der eiserne Bedarf unterschritten bzw. die optimale Lagermenge überschritten werden. Bei zurück­gehenden Verkaufszahlen entstünden so hohe Bestände am Lager. Stiegen die Verkaufszahlen, reichten die Lagerbestände nicht mehr aus.

Viel Erfolg beim Üben.