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Rewe-Trainer: Hinweise zu den Aufgaben zum Nachlesen

14.1 Entgeltabrechnung (Stand 2019): Multiple Choice

Die Aufgaben

Im Rahmen dieser Aufgabe können in Form von Multiple-Choice-Aufgaben folgende Inhalte zur Entgeltabrechnung geübt werden:

Weitergehende Fragestellungen finden in dieser Übung keine Berücksichtigung.

Bitte beachten Sie: Die einzelnen Aufgaben werden zur Laufzeit generiert. Dabei gibt es zu jeder Frage mehrere sprachlich und inhaltlich unterschiedliche Varianten. Das heißt, dass sich die Tests beim wiederholten Üben unterscheiden. Es ändert sich die Reihenfolge der Fragen, die Reihenfolge der Distraktoren in der jeweiligen Frage und es gibt unterschiedliche Formulierungen der Fragen und der Distraktoren. Es hat also keinen Sinn, sich zu merken, dass bei Frage 1 die Antwort 2 richtig ist usw., sondern man muss jedes Mal die Fragestellung neu erfassen und beantworten.

Zu den einzelnen Antworten erhalten Sie bei der Kontrolle weiterführende Erläuterungen.

Zum Verständnis: Bestandteile der Entgeltabrechnung

Das Entgelt

Das Entgelt wird zwischen dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Regel individuell ausgehandelt. Dabei sind eventuell Verdienstuntergrenzen zu beachten, die aufgrund existierender Tarifverträge oder gesetzlicher Mindestlohnregelungen bestehen. Entgelte oberhalb des Mindestlohnes oder einer gültigen Tarifregelung können ohne Beschränkungen vereinbart werden (Günstigkeitsprinzip).

In vielen Lehrbüchern und auch in IHK-Prüfungen werden anstelle des Begriffs Entgelt auch die Begriffe Lohn bzw. Gehalt verwendet.

Worin liegt der Unterschied zwischen einem Lohn und einem Gehalt?

Betriebswirtschaftlich versteht man als Gehalt ein Entgelt, welches in seiner Höhe unabhängig von der Produktivität und/oder von der Dauer der erbrachten Arbeit ist. Ein Gehalt bekommen i. d. R. Angestellte. Der Lohn ist dagegen ein leistungsabhängiges Entgelt, welches von der Anzahl der gearbeiteten Stunden oder von der Produktivität abhängig ist. Einen Lohn bekommen i. d. R. Arbeiter.

Im Rechnungswesen gibt es in den Entgeltabrechnungen vielfach noch die Unterscheidung nach dem Lohn- und Gehalt. So heißen die Entgeltabrechnungen in diesen Fällen Lohn- bzw. Gehaltsabrechnungen. Jedoch ist die Einordnung in vielen Fällen nicht einfach zu treffen (z. B. die Frage, wie der Meister in der Produktion arbeitet), so dass viele Unternehmen vereinheitlichend von einem Entgelt sprechen.

Auch in anderen Bereichen (zum Beispiel im Rentenrecht) wurde die Unterscheidung zwischen Angestellten und Arbeitern aufgehoben.

Vermögenswirksames Sparen

Grundsätzlich wünscht der Staat, dass Arbeitnehmer eigene finanzielle Reserven (z. B. für die Altersvorsorge) aufbauen. Damit Arbeitnehmern das Sparen erleichtert wird, wurde das 5. Vermögensbildungsgesetz (VermBG) erlassen.

Dieses Gesetz sieht vor, dass ein Arbeitnehmer mit einer Bank einen sogenannten vermögenswirksamen Sparvertrag (z. B. Bausparen, Aktiensparen etc.) abschließen kann. Neben den Erträgen aus den Sparanlagen (Zinsen, Dividenden etc.) erhält der Sparer jährlich vom Staat, sofern gewisse Einkommensgrenzen (z. B. bei Ledigen ein zu versteuerndes Einkommen von höchstens 20.000 €) nicht überschritten werden, eine so genannte Arbeitnehmersparzulage, die dem Sparer am Vertragsende ausbezahlt wird.

Voraussetzung für das Erhalten der Arbeitnehmersparzulage ist, dass der vermögenswirksame Sparvertrag sieben Jahre laufen muss und dass der Arbeitgeber den Sparbetrag vom Entgelt einbehält und der Sparerinstitution (Bank, Bausparkasse) direkt und regelmäßig überweist.

In diesem Zusammenhang kann sich der Arbeitgeber am Sparen beteiligen, indem er dem Arbeitnehmer einen Zuschuss (die so genannte vermögenswirksame Leistung) gewährt. Der Zuschuss kann vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber individuell im Rahmen des Arbeitsvertrages ausgehandelt werden. Tarifvertragliche Regelungen oder Betriebsvereinbarungen können ebenfalls eine pflichtgemäße vermögenswirksame Leistung des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer vorsehen.

Die vermögenswirksame Leistung gilt als Entgelt und führt dadurch zu einer Erhöhung des zu versteuernden und sozialversicherungspflichtigen Entgelts.

Lohnsteuer

Die Lohnsteuer wird fällig für Einkünfte aus unselbständiger Arbeit und ist eine direkte Steuer, denn der Steuerschuldner ist dem Finanzamt mit seinem Namen bekannt.

Die Höhe der Lohnsteuer richtet sich dabei nach den Lohnsteuerklassen und den Kinderfreibeträgen. Des Weiteren erhält jeder Steuerpflichtige einen so genannten Grundfreibetrag, für den er keine Steuern zahlen muss (Existenzminimum).

Lohnsteuerklassen

Das Einkommenssteuergesetz benennt insgesamt sechs Lohnsteuerklassen, die im folgenden vorgestellt werden:

LohnsteuerklasseEinstufung
Steuerklasse 1Ledige, dauernd getrennt lebende Verheiratete, Geschiedene, in eingetragener Lebenspartnerschaft Lebende und Verwitwete, deren Ehepartner länger als ein Jahr tot ist
Steuerklasse 2Alleinerziehende mit mindestens einem Kind
Steuerklasse 3Verheirate, welche nicht dauernd getrennt leben. Der Ehepartner muss die Steuerklasse 5 wählen.
Hinweis: Der Lohnsteuerklasse 3 wird der Grundfreibetrag der Steuerklasse 5 übertragen, womit der Steuerpflichtige in der Steuerklasse 3 zwei Grundfreibeträge besitzt, was seine Lohnsteuerzahlungen entsprechend reduziert. Daher wird diese Steuerklasseneinstufung oft von Ehepaaren gewählt, bei denen es einen Alleinverdiener gibt.
Steuerklasse 4Verheirate, welche nicht dauernd getrennt leben. Der Ehepartner muss die Steuerklasse 4 wählen.
Steuerklasse 5Verheirate, welche nicht dauernd getrennt leben. Der Ehepartner muss die Steuerklasse 3 wählen.
Hinweis: Bei der Lohnsteuerklasse 5 existiert kein Grundfreibetrag. Somit wird das Einkommen vom ersten Euro an versteuert.
Steuerklasse 6Jedermann, der mindestens ein zweites Dienstverhältnis hat, wird mit diesem in die Steuerklasse 6 eingruppiert.
Hinweis: Für die Lohnsteuerklasse 6 gibt es keinen Grundfreibetrag, da diese Steuerklasse nur bei einem Zweitdienstverhältnis gewährt wird. Für das erste Dienstverhältnis erhält der Steuerpflichtige einen Grundfreibetrag.

Kinderfreibeträge

Für jedes geborene Kind erhalten die Steuerpflichtigen einen Kinderfreibetrag (1,0), der von Beginn an aufgeteilt ist, so dass der Vater sowie die Mutter jeweils einen halben Kinderfreibetrag erhalten (0,5).

Der Kinderfreibetrag stellt den Eltern einen Anteil des Einkommens steuerfrei. Kinderfreibeträge führen jeden Monat unverzüglich zu einer Minderung der Abgabenlast des Solidaritätszuschlags und der Kirchensteuer.

Ob die Lohnsteuer durch einen Kinderfreibetrag reduziert wird, hängt davon ab, ob der Kinderfreibetrag über dem erhaltenen Kindergeld liegt. Das kann erst nach Ablauf des Steuerjahres im Rahmen der Einkommenssteuerveranlagung durch das Finanzamt festgestellt werden, so dass eine Erstattung erst nachträglich erfolgt. Der Staat hätte in diesem Fall einen Zinsvorteil.

Kinderfreibeträge können auch auf die Partner/Ehepartner übertragen werden, um dadurch steuerliche Vorteile zu erlangen. Zum Beispiel übertragen oftmals Ehepartner der Steuerklasse 5 ihren Kinderfreibetrag auf den Ehepartner mit der Steuerklasse 3, so dass diese dann die sofortige monatliche Steuerreduzierung bei den Solidaritätszuschlägen und der Kirchensteuer erhalten. Die eventuell nicht arbeitenden Ehepartner der Steuerklasse 5 hätten ansonsten keine Vorteile durch den Kinderfreibetrag.

Überweisung der Lohnsteuer: Die einbehaltene Lohnsteuer ist durch den Arbeitgeber bis zum 10. des Folgemonats an das zuständige Betriebsstättenfinanzamt zu überweisen.

Solidaritätszuschlag

Der seit 1991 eingeführte Solidaritätszuschlag wird umgangssprachlich nicht selten als „Soli“ bezeichnet. Er ist eine Ergänzungsabgabe u. a. zur Lohnsteuer. Der Zuschlagssatz beträgt 5,5%. Liegen Kinderfreibeträge vor, so verringert sich in der Regel der Solidaritätszuschlag.

Überweisung des Solidaritätszuschlags: Der Solidaritätszuschlag muss gemeinsam mit der Lohnsteuer bis zum 10. des Folgemonats an das zuständige Betriebsstättenfinanzamt überwiesen werden.

Kirchensteuer

Gezahlt werden muss die Kirchensteuer in Deutschland für die Mitgliedschaft in der katholischen oder evangelischen Kirche. Bemessungsgrundlage der Kirchensteuer ist die Einkommenssteuer bzw. bei abhängig beschäftigten Arbeitnehmer die Lohnsteuer. Der Kirchensteuersatz beträgt 8% in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg sowie 9% in den übrigen Bundesländern.

Liegen Kinderfreibeträge vor, so verringert sich in der Regel die gezahlte Kirchensteuer.

Überweisung der Kirchensteuer: Die Kirchensteuer wird mit der Lohnsteuer bis zum 10. des Folgemonats an das zuständige Betriebsstättenfinanzamt überwiesen.

Gesetzliche Sozialversicherungen

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es fünf gesetzliche Sozialversicherungen:

Die gesetzlichen Sozialversicherungen, deren Ursprünge bis in das deutsche Kaiserreich zurückreichen, sollen die Versicherten vor den Risiken und Folgen von Krankheit, Pflege, Alter, Arbeitslosigkeit und Unfällen schützen.

Mit Ausnahme der Unfallversicherung, für deren Finanzierung der Arbeitgeber allein aufkommt, werden bei allen anderen gesetzlichen Sozialversicherungen die Arbeitnehmer an der Finanzierung beteiligt. Die Mitgliedschaft in den gesetzlichen Sozialversicherung ist für alle abhängigen Arbeitnehmer Pflicht, es sei denn, dass sie Beamte sind.

Für die Kranken- und Pflegeversicherung gibt es zudem für Arbeitnehmer die Möglichkeit, bei Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze eine private Kranken- und Pflegeversicherung abzuschließen.

Fragen zur Versicherungspflicht und Beitragshöhe sind im Sozialgesetzbuch (SGB) geregelt.

Auf der Entgeltabrechnung wird der abhängig Beschäftigte Arbeitnehmer, der nicht im Beamtenverhältnis steht, Abzüge aus vier gesetzlichen Sozialversicherungen vorfinden: nämlich aus der Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.

Die Beiträge zur Sozialversicherung werden vom sozialversicherungspflichtigen Gehalt berechnet. Liegt das sozialversicherungspflichtige Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze, so wird diese zur Berechnung herangezogen.

Übersicht: Beitragssätze und Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Sozialversicherungen
(Stand 2019)

SozialversicherungBeitragssatzBeitragssatz ArbeitnehmerBeitragssatz ArbeitgeberBeitragsbemessungsgrenze
Krankenversicherung
(KV)
14,6 %7,3 % + x/27,3 % + x/24537,50 € (West und Ost)
Rentenversicherung
(RV)
18,6 %9,3 %9,3 %6700 € (West) 6150 € (Ost)
Arbeitslosenversicherung
(AV)
2,5 %1,25 %1,25 %6700 € (West) 6150 € (Ost)
Pflegeversicherung
(PV)
3,05 %1,525 %
0,25 % Zuschlag für Kinderlose
1,525 %4537,50 € (West und Ost)

Hinweis: In Sachsen gelten für die Pflegeversicherung andere Beitragssätze (Arbeitnehmer: 2,025 %, Arbeitgeber: 1,025 %). Da dieses Detail in den bundesweiten IHK-Prüfungen und in vielen Lehrbüchern keine Beachtung findet, wird es in den Aufgaben nicht geübt.

Hinweis zur Krankenversicherung

x = Zusatzbeitrag (bis einschließlich 2018 nur für Arbeitnehmer, ab 2019 für Arbeitnehmer und Arbeitgeber)

Für die gesetzlichen Krankenkassen wird ein einheitlicher allgemeiner Beitragssatz von 14,6 % festgeschrieben. Benötigen die Krankenkassen höhere Einnahmen, so können sie einkommensabhängige Zusatzbeiträge erheben. Entsprechend dem Versicherungsentlastungsgesetz werden die gesamten Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung, d. h. einschließlich der Zusatzbeiträge, wieder paritätisch von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Damit werden bei Kostensteigerungen im Gesundheitswesen die Arbeitgeber wieder solidarisch zur Kasse gebeten.

Der für das Jahr 2019 geltende durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 0,9 Prozent (0,1 % niedriger als im Vorjahr). Jedes Jahr wird aus Transparenzgründen der durchschnittliche Zusatzbeitrag im Bundesanzeiger veröffentlicht. Dieser jährlich veröffentlichte Zusatzbeitrag ist nicht der tatsächliche Zusatzbeitrag jeder Krankenkasse, sondern ergibt sich pauschal aus den jährlichen voraussichtlichen Ausgaben für Gesundheitsleistungen und den voraussichtlichen Einnahmen aus dem Gesundheitsfond aller Krankenkassen zusammen.

Der veröffentlichte durchschnittliche Zusatzbeitragssatz ist für den Verbraucher ein Hinweis, wie hoch der Zusatzbeitrag der eigenen Krankenkasse sein könnte, wenn die Krankenkasse die durchschnittlichen Ausgaben und Einnahmen hätte. Die Einnahme- und Ausgabesituation einzelner Krankenkassen kann jedoch davon abweichen und einen anderen Zusatzbeitragssatz erfordern. Einheitliche Beitragssätze der Arbeitnehmer über alle Krankenkassen hinweg wird es in der Zukunft mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben.

Überweisung der Sozialversicherungsbeiträge: Die Beiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen müssen bis zum drittletzten Bankarbeitstag des laufenden Monats überwiesen werden. Als Bankarbeitstage zählen die Wochentage Montag bis Freitag.

Überwiesen wird dabei das Geld aller gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge eines Arbeitnehmers an die zuständige Krankenkasse des jeweiligen Arbeitnehmers. Die Krankenkasse reicht dann die Beiträge an die anderen Sozialversicherungen weiter.

Vorschüsse

Vorschüsse können einem Arbeitnehmer als Vorauszahlung auf das künftige Entgelt (i. d. R. am Monatsende) freiwillig gewährt werden. Der Arbeitgeber tritt damit in Vorleistung.

Am Monatsende werden dann die geleisteten Vorschüsse mit dem Gehalt teilweise oder vollständig wieder verrechnet, so dass sich der Auszahlungsbetrag (Überweisungsbetrag) für den Arbeitnehmer verringert.

Viel Erfolg beim Üben.