Rewe
Rewe-Trainer: Hinweise zu den Aufgaben zum Nachlesen

20.1 Grundlagen der Bilanzanalyse: Anteilsquoten - Multiple Choice

Die Aufgaben

Im Rahmen dieser Multiple-Choice-Aufgaben sollen Fragen zu den Grundlagen der Bilanzanalyse geübt werden. Der Schwerpunkt der Übung liegt auf den Bilanzkennziffern der Anteilsquoten und deren Aussagekraft. Im Detail geht es um folgende Quoten:

Zum Verständnis: Grundsätzliches zur Bilanzanalyse

Mit Hilfe der Bilanzanalyse versuchen so genannte Analysten die derzeitige und auch zukünftige Lage eines Unternehmens anhand der Bilanz einzuschätzen. Würde zur Analyse ergänzend die Gewinn- und Verlustrechnung herangezogen werden, so läge eine Jahresabschlussanalyse vor.

Bevor einige Instrumente der Bilanzanalyse weiter unten genauer dargestellt werden, ist es sinnvoll, sich der betriebswirtschaftlichen Begriffe der Finanzierung und Investition zu erinnern.

Als Grundlage der Erläuterungen dient folgende vereinfachte Bilanz in Kontenform der Möbelfabrik Wurm e. Kfm.:

Bilanz zum 31. Dezember ....
AktivaPassiva
I. AnlagevermögenI. Eigenkapital400.000 €
1. Fuhrpark300.000 €
2. BGA100.000 €
II. UmlaufvermögenII. Fremdkapital
1. Forderungen100.000 €1. Darlehen100.000 €
2. Bank50.000 €2. Verbindlichkeiten50.000 €
550.000 €550.000 €

Finanzierung

Die Finanzierung bzw. die Herkunft des Kapitals einer Unternehmung lässt sich aus der Passiva, d. h. aus der rechten Seite der Bilanz ersehen. Der Bilanzanalyst stellt hier fest, ob sich das Unternehmen eher aus eigenen oder aus fremden Mitteln (Eigenkapital - Fremdkapital) finanziert. Aus der Bilanz der Möbelfabrik Wurm e. Kfm.wird ersichtlich, dass sich das Unternehmen hauptsächlich aus dem eigenen Kapital, hier 400.000 €, finanziert. Die Finanzierung durch Fremdkapital beträgt insgesamt 150.000 €.

Investition

Die Aktiva, d. h. die linke Seite der Bilanz, zeigt, wohin das Finanzierungskapital der Möbelfabrik Wurm e. Kfm.geflossen ist. Es zeigt die Struktur der Investition, d. h. man kann sehen, ob ein Unternehmen mehr Kapital in das Anlage- oder Umlaufvermögen investiert hat. Im Beispiel der Möbelfabrik Wurm e. Kfm.wurde mehr Kapital in das Anlagevermögen investiert.

Insgesamt muss entsprechend der grundlegenden Bilanzgleichung die Summe der Investition mit der der Summe der Finanzierung übereinstimmen.

Die Bilanzanalyse mittels Bilanzkennziffern

Im Rahmen einer Bilanzanalyse werden einzelne Posten (z. B. die Verbindlichkeiten) in ihrer Höhe betrachtet und auch in Beziehung zu anderen Posten interpretiert.

In der Praxis werden für die die Bilanzanalyse meist so genannte Bilanzkennziffern herangezogen. Diese haben den Vorteil, dass sie Posten der Bilanz zusammenfassen und in Verhältnisse zueinander setzen, und dadurch eine Interpretation der Bilanz vereinfachen können. Mit relativen Zahlen lassen sich Vergleiche einfacher gestalten als mit absoluten Zahlen.

Ein Beispiel einer Bilanzkennziffer ist die Fremdkapitalquote. Aus mathematischer Sicht ist diese Quote ein relativer Anteil an einer Gesamtsumme bzw. der Summe einer Bilanz.

Dieses und andere relative Ergebnisse lassen sich folgendermaßen verwenden:

Zeitvergleiche: Hierzu werden mehrere aufeinanderfolgende Bilanzen herangezogen und aus allen Bilanzen ermittelte Bilanzkennziffern (z. B. der Anteil vom Fremdkapital am Gesamtkapital) ermittelt und die Veränderung innerhalb des betrachteten Zeitraums analysiert. So kann z. B. errechnet werden, ob der Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital (Verschuldung) im Zeitverlauf steigt oder fällt.

Betriebsvergleiche: Hierbei werden die ermittelten Bilanzkennziffern (z. B. der Anteil vom Fremdkapital am Gesamtkapital) im Vergleich zu anderen Betrieben über so genannte Branchenkennziffern verglichen. Dadurch lässt sich die wirtschaftliche Lage des eigenen Unternehmens besser im wirtschaftlichen Gesamtumfeld beurteilen.

Die Bilanzkennziffern

Innerhalb dieser Übung auf Lernnetz24 werden vier Bilanzkennziffern vorgestellt: die Eigenkapitalquote, Fremdkapitalquote, Anlagequote und Umlaufquote.

Eigenkapitalquote (Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital)
(auch: Eigenkapitalinstensität, Grad der finanziellen Unabhängigkeit oder equity ratio (engl.))

Die Eigenkapitalquote ist der relative Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital bzw. der Bilanzsumme.

Berechnet wird sie über folgende Formel:

Eigenkapitalquote = Eigenkapital · 100
Gesamtkapital

Aussagekraft: Das Eigenkapital unterliegt keiner zeitlichen Befristung, d. h. es muss nicht zu einem späteren Zeitpunkt an irgendeinem Gläubiger zurückgezahlt werden. Dadurch entsteht auch keine Bindung zu einem Kapitalgeber, der über das geliehene Kapital Einfluss auf das finanzierte Unternehmen nehmen kann. Die Eigenständigkeit betriebswirtschaftlicher Entscheidungen ist bei einem hohen Anteil eignen Kapitals grundsätzlich höher. Da durch eine Eigenkapitalfinanzierung auch keine regelmäßigen Zinszahlungen erfolgen müssen, besteht auch kein regelmäßiger Abfluss von Kapital. Unternehmern mit hohem Eigenkapital und geringem Fremdkapital können damit besser Krisen überstehen und sind damit auch besser gegen Insolvenzen geschützt.

Die Eigenkapitalquote wird daher auch als Grad der Unabhängigkeit vom Fremdkapital, d. h. von außenstehenden Kapitalgebern, bezeichnet.

Insbesondere für Banken ist im Rahmen der Neukreditvergabe die Eigenkapitalquote interessant. Eine hohe Eigenkapitalquote verringert das Risiko einer Nichtrückzahlung von Krediten. Selbstredend sind auch Ratingagenturen an der Kenntnis von Eigenkapitalquoten bemüht, denn sie schätzen die Risiken für Investoren von Unternehmen ein und verkaufen diese Information aufbereitet an interessierte Investoren (z. B. Aktionäre).

Wichtig bei der richtigen Einschätzung des Risikos ist dabei auch die Einbeziehung der Rechtsform einer Unternehmung. In diesem Zusammenhang ist zu wissen, dass Kapitalgesellschaften grundsätzlich nur mit ihrem Eigenkapital haften, d. h. es kann kein Rückgriff auf das Vermögen der Eigentümer genommen werden. Bei Personengesellschaften haften dagegen die Eigentümer des Unternehmens neben dem Eigenkapital auch mit dem Privatvermögen. Daher sind höhere Eigenkapitalquoten bei Kapitalgesellschaften gegenüber Personengesellschaften sinnvoll.

Fremdkapitalquote (Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital)
(Fremdkapitalintensität, Grad der finanziellen Abhängigkeit, debt ratio (engl.))

Die Fremdkapitalquote ist der relative Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital bzw. der Bilanzsumme.

Errechnet wird sie über folgende Formel:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital · 100
Gesamtkapital

Die Fremdkapitalquote ist das Pendant zur Eigenkapitalquote. Liegt die Eigenkapitalquote bei 30%, so muss die Fremdkapitalquote bei 70% liegen. Daraus ergibt sich folgende Regel:

Eigenkapitalquote in Prozent + Fremdkapitalquote in Prozent = 100 %

Aussagekraft: Die Fremdkapitalquote zeigt im Gegensatz zur Eigenkapitalquote die Abhängigkeit von den Gläubigern und dabei insbesondere von den Banken. Durch Kreditvergaben sichern sich Banken oft Mitbestimmungsrechte und damit Einfluss in den von ihnen finanzierten Unternehmen. Hohe Fremdkapitalquoten bedeuten zudem oft hohe Zinszahlungen, die wiederum den betriebswirtschaftlichen Handlungsspielraum einengen könnten.

Dennoch kann eine hohe Fremdkapitalquote für eine kurze Zeit von betriebswirtschaftlichen Vorteilen begleitet sein. Sie kann Wachstum anschieben oder die Möglichkeit zur Realisation dringend benötigter und bisher aufgeschobener Ersatzinvestitionen geben.

Anlagequote (Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen)
(Anlageintensität, Anlagevermögensintensittät, investment ratio (engl.))

Die Anlagequote ist der relative Anteil des Anlagevermögens zum Buchwert am Gesamtvermögen bzw. der Bilanzsumme.

Errechnet wird sie über folgende Formel:

Anlagequote = Anlagevermögen · 100
Gesamtvermögen

Aussagekraft: Eine hohe Anlagequote gibt Hinweise auf eine hohe Kapitalbindung im Unternehmen. Kapitalbindung bedeutet, dass Kapital fest mit dem Anlagevermögen verbunden ist und nicht für andere Investitionen (z. B. Anlage der finanziellen Mittel in einem Aktieninvestment oder Nutzung der Mittel zur Weiterbildung von Mitarbeitern) frei zur Verfügung steht. Durch eine hohe Kapitalbindung kann die finanzielle Flexibilität des Unternehmens eingeschränkt werden.

Eine hohe Anlagequote kann auch auf hohe Wartungskosten hindeuten, wenn das Anlagevermögen hauptsächlich in Sachanlagevermögen (z. B. Fuhrpark) investiert wurde. Ebenfalls kann sie ein Hinweis auf moderne und aktuelle Maschinen und Ausstattungsmaterialien sein.

Darüber hinaus kann eine hohe Anlagequote auch zu hohen Abschreibungen mit entsprechenden Wirkungen in der Gewinn- und Verlustrechnung führen, wenn abschreibungsfähiges Sachanlagevermögen vorhanden ist.

Eine niedrige Anlagequote kann demgegenüber auf veraltetes und bereits fast vollständig abgeschriebenes Anlagevermögen hindeuten. Es könnte jedoch auch sein, dass sich die geringe Anlagequote durch Finanzierungsentscheidungen des Betriebes ergibt. So kann die Entscheidung, Anlagevermögen zu leasen und nicht zu kaufen, zu einer geringen Anlagequote führen.

Bei der Beurteilung der Anlagequote ist zudem zu beachten, in welche Branche das analysierte Unternehmen einzuordnen ist. Industrieunternehmen haben aufgrund ihres großen Maschinenparks in der Regel höhere Anlagequoten als Handelsunternehmen.

Umlaufquote (Anteil des Umlaufvermögens am Gesamtvermögen)
(Umlaufintensität, Umlaufvermögensintensität, circulation ratio (engl.))

Die Umlagequote ist der relative Anteil des Umlagevermögens zum Buchwert am Gesamtvermögen bzw. der Bilanzsumme.

Errechnet wird sie über folgende Formel:

Umlaufquote = Umlaufvermögen · 100
Gesamtvermögen

Aussagekraft:

Ähnlich wie beim Anlagevermögen kann auch beim Umlaufvermögen eine hohe Umlaufquote eine hohe Kapitalbildung bedeuten. Jedoch ist die Kapitalbindung beim Umlaufvermögen gegenüber dem Anlagevermögen in der Regel von geringerer Tragweite, da hinter dem Umlaufvermögen kurzfristiges Vermögen steht. Dies bedeutet, dass dieses Vermögen (z. B. Forderungen) in der Regel schnell wieder in liquide Mittel (z. B. Geld in der Kasse) umgewandelt werden kann.

Hohe Lagerbestände können Umlaufquote verursachen. Das muss nicht schlecht sein, sofern die Lagerbestände für die Sicherung der Liefer- und/oder Produktionsbereitschaft notwendig sind. Trifft dies nicht zu, so steckt eine zu hohe Kapitalbindung in den Lagerbeständen, die zum Beispiel durch eine Just-in-time (Zulieferung kurzfristig nach Bedarf) reduziert werden kann.

Auch können hohe Forderungsbestände aufgrund eines schlechten Forderungsmanagements eine hohe Umlaufquote verursachen. Abhilfe schafft hier ein klares und strenges Forderungsmanagement.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass eine hohe Umlaufquote durch viele betriebswirtschaftliche Faktoren bedingt sein kann. Die Bilanzkennziffer Umlaufquote gibt einen Hinweis auf die Notwendigkeit zur weiteren Analyse unter Berücksichtigung weiterer Informationen (z. B. Höhe der Lagerbestände – gegebene Lieferberetischaft etc.).

Viel Erfolg beim Üben.