Der Orthograph - Regeln und Diktate
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Regeln zum Thema 10: Getrenntschreibung

10.4 Adjektiv + Verb

Eule

Zur Geschichte der Regel

Die Reform von 1996 führte als formales Kriterium für die Schreibung von Verbindungen des Typs Adjektiv + Verb die Erweiterbarkeit/Steigerbarkeit des Adjektivs ein. Die Verbindung gut gehen wurde deshalb getrennt geschrieben, weil es jemandem besser oder auch äußerst gut gehen kann. Entscheidend für die Schreibung war die Möglichkeit der Steigerung/Erweiterung und nicht die Frage, ob das Adjektiv im konkreten Fall tatsächlich gesteigert oder erweitert war, was vor 1996 neben der Idiomatisierung eine Rolle spielte.

Die Reform von 2006 schafft diese Regel zwar nicht völlig ab, stellt die Schreibung aber auf völlig neue Grundlagen. Man unterscheidet zwischen

An dieser Stelle interessieren (2) und (3).

Die Regel

Verbindungen des Typs Adjektiv + Verb schreibt man als Wortgruppen getrennt. Eine Wortgruppe liegt vor, wenn das Adjektiv zusammen mit dem Verb keine neue Bedeutung bildet. Beispiele sind:

Es kann auch zusammengeschrieben werden, wenn das einfache Adjektiv eine Eigenschaft als Resultat eines Verbalvorgangs bezeichnet (im Duden als resultative Prädikative bezeichnet). Beispiele sind:

Das gilt auch für abgeleitete Formen:

Dabei gelten jedoch folgende Einschränkungen:

Egal wie abstrakt man in grammatischen Kategorien denkt: Die Einschränkungen der anscheinend einfachen Kann-Regel haben es in sich. Hier ein paar Beispiele für obligatorische Getrenntschreibung, zum Überprüfen, ob man die Einschränkungen versteht:

Wenn man dann noch die Möglichkeit entdeckt, fertig bekommen auch zusammenschreiben zu dürfen, muss man sich allerdings fragen, was einfache Adjektive und Verben sind.

Deshalb lautet auch hier die Empfehlung: Außer in Fällen vorgeschriebener Zusammenschreibung immer getrennt schreiben.

Hinweise

(1) Die 1996 eingeführte Regel, dass Verbindungen aus Adjektiv + Verb getrennt zu schreiben sind, wenn das Adjektiv auf -ig, -isch oder -lich endet, ist ersatzlos getrichen worden. In diesen Fällen ist nun zu prüfen, ob eine neue Gesamtbedeutung vorliegt und zusammengeschrieben werden muss. Ansonsten schreibt man generell getrennt, da die betreffenden Adjektive alle keine einfachen Adjektive sind.

(2) In der Dudenregel K56 findet sich folgende Erläuterung:

In Fällen wie festtreten, totschlagen oder volltanken ist die (nach den Regeln nicht ausgeschlossene) Getrenntschreibung ungebräuchlich.

Der Hinweis ist etwas verwirrend. Zum einen ist unklar, weshalb die Getrenntschreibung ungebräuchlich sein soll, da sie immerhin zehn Jahre lang unterrichtet wurde und für weit mehr als eine Million Schreibende die nach einer einfachen Regel korrekte Schreibung ist. Zum anderen wurde totschlagen vor und nach 1996 zusammengeschrieben, da man jemanden weder zu tot schlagen noch toter schlagen kann. Man kann aber den Boden etwas fester treten oder auch zu voll tanken, dass das Benzin überläuft. Interessanterweise wird totschlagen in der Wortliste des Dudens auch nur in der Zusammenschreibung aufgeführt (s. S. 1015).

Wie dem auch sei: Die Einführung der resultativen Prädikative trägt nicht zur Vereinfachung des Regelwerks bei. Die Empfehlung lautet also nochmals: Konsequent auf die Kann-Regel verzichten.

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